Meine Beziehung zu Friedhöfen …

9. June 2013 — 1 Comment

Zu Friedhöfen habe ich die verschiedensten Beziehungen und Verbindungen, Erinnerungen und Empfindungen …

Ich habe mal an einem Friedhof gewohnt, jeden Morgen beim aufstehen … begrüßte mich Dieser mit seiner meist bunten und immer grünen Bepflanzung durch mein Schlafzimmerfernster … Samstag war grundsätzlich immer eine Beerdigung .. davon wurde ich dann auch immer wach, wodurch ich zu dieser Zeit – meist vor 9 Uhr am Morgen wach war …. Wahrscheinlich gab es in der Woche auch des Öfteren Beerdigungen, aber da war ich meist wohl schon vorher aus dem Haus …

Abends bin ich dort oft noch eine Runde drüber gelaufen, bzw. habe ihn überquert, wenn ich mit meinem Hund zu ganz später Stunde noch mal raus musste … dabei war es manchmal romantisch, mit den ganzen schönen Grablichtern … manchmal bei Nebel aber auch etwas furchterregend.. manchmal lag es auch an meiner Tagesstimmung, wie ich die Friedhofsstimmung gedeutet habe …

Mein Hund schwankte oft zwischen hier riecht es so toll und irgendwas passt mir hier nicht … manchmal blieb er einfach stehen und bellte lautstark als stünde eine Person vor ihm die er nicht mag, oder die ihm Unbehagen verursacht … das weiß ich daher, weil er auch so reagiert hat, wenn wirklich jemand vor ihm Stand der ihm nicht zusagte ….

Manchmal war mir seine Reaktion egal, manchmal beriet Sie mir Unbehagen und es folgten weitere Gedanken – über das Leben, den Tod … über Dinge die wir nicht wissen und nur hoffen können – so was wie Widergeburt, sieben Leben – gut einige hoffen darauf, andere fürchten sich davor 😀 … ich bin aber die Hoffer Fraktion 😉

Ich habe dann die Wohnung an dem Friedhof irgendwann verlassen und dann spielten Friedhöfe erst mal keine Rolle in meinem Leben – da war ich mit anderen Dingen beschäftigt … quasi in der Neufindungsphase 😉 existenzieller Art meine ich … nicht spiritueller Art…

Dann wurde zwecks nichtvorhanden eines Friedhofs – ein Bachgebiet zu meiner täglichen Pilgerstrecke, die dann auch wieder mit Hund statt fand, allerdings nicht mit dem Hund vom Friedhof … den gab es da leider nicht mehr …

Danach gab es dann wieder einen Umzug in ein verschlafenes Dorf in NRW … bei täglichen Gassirunden entdeckten wir schnell den örtlichen Friedhof und manchmal, gerne am Abend ging ich am Ende der Gassirunde noch ein Runde über den Friedhof – quasi als Abschluss 😉

Gut, das Wort Abschluss hat in dem Bezug auf das Wort Friedhof vielerlei Bedeutung .. in diesem Passus ist es einfach nur die Beendigung der Gassirunde …

War dort aber nur ein kleiner Friedhof, umso mehr „erfeute“ es mich, das wir an unserer neuen Wohnstätte gleich einen sehr großen Stadteilfriedhof haben, der nur wenige Minuten entfernt ist und gerade zu Vollmond mit seinen Gebäuden wirkt wie Szenen aus den besten Vampirfilmen und dabei ein Hauch von Romantik verspürt .. man verspürt doch etwas ganz klares, wenn man diesen bei Vollmond betriTt … das Licht des Mondes wirft wirklich traumhafte Schatten auf diesen Ort der Erinnerung … des Vergessens … des Abschlusses …

Zum Kopf frei kriegen, bin ich dort schon des Öfteren gewesen … genau wie auf den anderen Friedhöfen die mich in meinem Leben begleitet haben und die hier vielleicht noch keine Erwähnung gefunden haben …

Ich finde wirklich, einer der besten Orte zum Kopf frei bekommen, zum klar werden, ist der Friedhof … kein Ort spiegelt so klar, einfach und realistisch wieder, was die Fakten des Lebens sind …

… ein Fakt davon ist, das unser Leben nun mal endlich ist … wir wurden geboren und irgendwann landen wir auch auf einem Friedhof, ob wir das wollen oder nicht … ob es uns Angst macht, oder nicht …

… die Zeit dazwischen können wir beeinflussen! Klar nicht alles davon haben wir wirklich in der Hand … unser Kindheit und Teenagerzeit liegt zu großen Teilen auch in Händen derer, die uns groß gezogen haben … das kann bei dem Einen toll sein, beim Anderen ok, beim Dritten geht so und vielleicht auch beim Vierten verdammt scheisse!

Gut, ist nun mal so … wenn man das mal betrachtet .. sind das so maximal 18 bis 20 Jahre .. eine lange Zeit … aber in der Regel bleibt uns noch mehr Zeit – bis die Kiste ruft – also egal ob ihr nun die tolle, ok oder geht so, oder doch die verdammt scheisse Kindheit hattet … es bleibt noch Zeit … die Zeit zu füllen, mit dem was wir wollen, was wir möchten, was uns gut tut, was uns erfüllt …

Natürlich macht es einen Unterschied ob wir aus dem „Werk“ (Elternhaus) als Golf, Mercedes, BMW, oder doch nur als Dacia entlassen werden … aber egal welche Marke und Macken … wir können, wenn wir wollen alle einwandfrei laufen und unser Ziel erreichen … mann muss es nur wollen, hart daran arbeiten und sich nicht von der Spur bringen lassen ….

So hat man vielleicht die Möglichkeit die Zeit – dazwischen – optimal zu nutzen, jeder nach seinen individuellen Wünschen ….

… gibt ja eh schon genug Hindernisse, wie Arbeit, Krankheiten, Todesfälle, unabdingbare Pflichten, Supermarkteinkäufe, Hausarbeit, usw …. Die Einem in unserem Ich-Sein – manchmal auch Glücklich sein hindern!

Wer findet schon den täglichen Supermarkteinkauf als lebensbereichernd .. ein nötiges Übel, das in der Gesamtheit des Daseins einfach nötig ist …

So nächster Fakt ist eher ein Denkanstoß! Gedanken über Übersinnliches, Übernatürliches, Geister, Hexen, usw … will ich hier nicht weiter erläutern … ist für mich gerade in diesem Blog nicht wichtig, was nicht heißt, das mir diese Gedanken grundsätzlich egal sind … es sind ja Meine 😉

So nachdem der letzte Fakt, gar keiner war, sondern ja ein Denkanstoß kommen wir zum letzten Fakt – den ich Heute erwähnen möchte … auf den wollte ich schon bei der ersten Silbe dieses Posts drauf hin – das war überhaupt der Grund warum ich diesen Blog überhaupt geschrieben habe – und zwar es gibt echt nirgendwo so viel Heuchelei, Unehrlichkeit, Niederträchtigkeit, Hintergedanken und falsche Gefühle wie bei Beerdigungen ….

… Habt ihr darüber mal darüber nachgedacht oder ist Euch das auch aufgefallen?? …

Ich war schon auf vielen Beerdigungen … und jedes Mal musste ich bei einigen Personen schmunzeln … was wohl der Grund für deren Anwesenheit ist … Erbe, schlechtes Gewissen, Anstand, Die „Was sollen die Nachbarn denken Denke“, kostenloses Essen auf der Trauerfeier, oder doch nur einfach neues Material zum tratschen …

Immer wieder erstaunlich, wie viele Menschen, die im Alltag allein waren, für die sich niemand so wirklich interessiert hat, die keine Zuwendung oder ehrliche Aufmerksamkeit erfahren haben, die krank und allein gestorben sind… auf deren Beerdigungen gastieren oft die meisten Gäste … schon komisch!

Wo waren diese Menschen, als der Mensch noch lebte???  Warum geht man zu einer Beerdigung eines Menschen, der einem sonst auch egal war … wegen des Anstandes???? Das kann nicht sein, denn wenn man genau überlegt, ist es genau das Gegenteil von Anstand – und so was hat auf der letzten Feier für einen Verstorbenen nix zu suchen …

„Der anständige Mensch als Idealtypus des Weltbildes der Aufklärung respektiert in Einstellung und Verhalten die Persönlichkeit des Anderen und achtet darauf, dass dieser nicht bloßgestellt (Scham), gedemütigt (Hochmut) oder benachteiligt (Ungerechtigkeit) wird.

Persönlicher Anstand kann erlernt, jedoch nicht reglementiert werden; wohl aber können auf Prinzipien des Anstands beruhende Regeln oder Gesetze festgelegt und zur Geltung gebracht werden. Dies geschieht grundlegend in der Erklärung der Menschenrechte.

Im Unterschied zur Einhaltung äußerlicher Umgangsformen oder zur formalen Erfüllung von Höflichkeitsprinzipien ist Anstand die auf der Freiheit und Urteilskraft der sittlichen Person beruhende Wahl einer Haltung, welche auf Anerkennung und Aneignung des grundlegenden Wertes der „Menschlichkeit“ (GleichheitWürde) sowie der gefühlten Verpflichtung gegen diesen in Verhalten und Handeln beruht.

Vom Anstand zu unterscheiden ist so der Begriff des Schicklichen und seiner zeit- und gesellschaftstypischen Abwandlungen, welcher eine Anpassung des persönlichen Verhaltens an eine gemeinschaftliche Norm fordert (Konformität). Anstand kann sich u. U. geradezu im Verstoß gegen das Schickliche, die Etikette, oder die geltende soziale Norm bewähren, sofern diese den grundlegenden Wert verletzt.

Im Finden, Bewahren oder Geltendmachen des Anstandes in der ihn anfechtenden Situation behauptet sich die sittliche Person bzw. die sittliche Gemeinschaft.

In der Alltagssprache meint anständig auch die sorgfältige, nach den „Regeln der Kunst“ verfahrende Geschicklichkeit im Umgang mit Dingen oder – im weitesten Sinne – „Gegenständen“: Anständig ist hier, was „kunstgerecht“, „ordentlich“ und „brauchbar“ gemacht ist. In den Komposita “Anstandsdame” oder „Anstands-Wau-Wau“ wird der Begriff meist nur ironisch verwendet.“

 

So Wikipediaauszug gelesen??? Nö … na egal … kommt auf diesen Absatz drauf an …

„Vom Anstand zu unterscheiden ist so der Begriff des Schicklichen und seiner zeit- und gesellschaftstypischen Abwandlungen, welcher eine Anpassung des persönlichen Verhaltens an eine gemeinschaftliche Norm fordert (Konformität). Anstand kann sich u. U. geradezu im Verstoß gegen das Schickliche, die Etikette, oder die geltende soziale Norm bewähren, sofern diese den grundlegenden Wert verletzt.“

Die Meisten verwechseln da wohl mit dem Wort Schicklich … und wie Wikipedia auch sagt,  Anstand kann sich u. U. geradezu im Verstoß gegen das Schickliche befinden …

…sollte man vielleicht mal drüber nachdenken ….

Ich persönlich gehe nur zu Beerdigungen, von Menschen zu denen ich auch Bezug hatte, oder wenn ich jemanden Stütze der jemand zu Begraben hat, der ihm lieb und teuer war …

Beerdigungskaffees finde ich schrecklich, natürlich geht das Leben weiter – aber das kann man auch so Hand haben, indem man still nach der Beisetzung heim geht, vielleicht noch mit den engsten Freunden einen Kaffe trinkt, anstatt mit einer ganzen Gesellschaft, Kaffe zu trinken, zu Essen, zu Rauchen, Alkohol zu trinken und dabei auf Außenstehende wie eine Feiergesellschaft wirkt … nicht nur für Außenstehende, ich habe schon diverse solcher Kaffees frühzeitig verlassen, weil mich die Bierlaune der Anwesenden oder die Freitag Abend Kneipenstimmung wirklich bestürzt hat …

Es gibt echt nichts menschlich abgrundtieferes, wenn die Erben beim Totenkaffee schon ihr Erbe feiern und bejubeln … alles schon erlebt!

Auch erlebt bei der Beerdigung eines angehenden Fußbalprofis, das die Anwesenden sich im Trauern überboten haben und es mehr ein sehen und gesehen werden war … wie so ein Event … mit ehrlicher Trauer hatte das wenig zu tun .. da wurden hinter mir noch Witze gerissen, als der Pfarrer das Gebet am Grab sprach …

Aber es gibt auch schöne Beerdigungen, die wo wirklich nur die Menschen anwesend sind, die auch einen ehrlichen Bezug zum Verstorbenen hatten … das sind meist Beerdigungen von Menschen die nicht monumentales erschaffen haben oder wirklich etwas hinterlassen, also ich meine in Form von materiellen Dingen … den umso höher da der Ertrag des Verstorbenen war, desto höher ist auch die Anwesenheit von dieser anderen Art von Gästen, über die ich schon ausgiebig sprach ….

Diese kleinen, schönen Beerdigungen, die finde ich toll …wenn ich früher als ich noch an dem Friedhof wohnte, an solchen Beerdingung vorbeiging, geriet ich automatisch in eine trauernde Stimmung, manchmal liefen mir automatisch die Tränen und so schnell laufen die bei mir nicht … an solchen Gräbern sieht man oft, wahre, echte Gefühle ohne Kompromiss. Da steht oft die pure LIEBE, die ehrliche ZUWENDUNG, ganz ohne Hintergrund, einfach weil man wirklich trauert …

… immer wenn ich zum Kopf frei werden über Friedhofe laufe, bleiben ich oft vor Gräbern stehen, lese die Namen, Geburtsdatum und Todestag und ggf. soweit vorhanden den Verse auf dem Grabstein, schaue mir das Grab und die Bepflanzung, ggf. die Deko an … manchmal Frage ich mich dann, was ist die Geschichte hinter diesem Grab …

… wer war die Person .. was hatte Sie für eine Beerdigung – die pompöse Große, mit wahrscheinlich nicht so viel ehrlicher Anteilnahme, oder die kleine Feine, oder war gar niemand da …

… was hatte der verstorbenen für ein Leben, hat er seine Zeit genutzt, hat er ein Erbe hinterlassen, womit ich nicht Geld meine – nein – sondern Menschen die an ihn denken, auch wenn er längst, sichtbar nicht mehr da ist … die vielleicht noch manchmal zum Grab kommen, um ihn zu gedenken .. um mit ihm zu sprechen … um ihn einfach nicht zu vergessen!

Das Final End … ist für mich also nicht die große Show … nein das kleine, feine Kabarett von um die Ecke …

So, langer Post – lag mir schon länger auf der Seele – wollte ich einfach mal los werden. Ich möchte damit niemand angreifen oder beschuldigen, das sind so die Eindrücke die ich in 30 Jahren auf Beerdigungen gesammelt habe …

Nun ist es aber Zeit für das Bett – dann mal bis später!

Eure

Bina

One response to Meine Beziehung zu Friedhöfen …

  1. 

    wonderful issues altogether, you just gained a new reader.
    What may you recommend in regards to your put up that you made some days
    in the past? Any positive?

Na dann schreibt mir mal was NETTES ;-)

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